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Schicht um Schicht Schönheit zeigen
Die großen Formate haben es der Königsteiner Malerin Jutta Liebe angetan. Und so kommen hauptsächlich Leinwände zum Einsatz, die das Maß 80 x 100 cm umfassen. Das macht auch Sinn, denn die Werke der 42-Jährigen sind prall, rund, warm und weich. Sehr weiblich, sinnlich. Aber nie zu direkt. Der Betrachter liebäugelt mit den Bildern, er fühlt sich von den Formen und Farben, die er sieht, angenehm berührt, ja fast wohlig umschlossen. Schon während ihres Studiums des Grafik-Designs fing Jutta Liebe mit dem Malen an, stets als Hobby und kreativer Ausgleich. Denn nach ihrem Abschluss an der Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design stand zunächst der Job im Vordergrund. Die Gründung einer Familie setzte dann wiederum andere Prioritäten. Aber seit dem Jahr 2000 wurde das Malen wieder intensiviert. Und hier setzte Liebe einen Schwerpunkt auf weibliche Akte. Was reizt sie an diesem Motiv? „Die ästhetische Schönheit des weiblichen Körpers“, antwortet sie spontan. „Es ist vielleicht mit einer Reise in die Vulkaneifel vergleichbar. Wenn man die Schönheit dieser Region selbst gesehen und empfunden hat, kann man sie auch malen. So sehe ich auch den weiblichen Körper, den ich als Frau authentisch wiedergeben kann“, beschreibt sie ihre Motivation. Die Schönheit zeigen – darum geht es ihr und nicht um voyeuristische Blicke. Die Bilder haben vom Motiv her durchaus erotische Komponenten, aber dezent, fast diskret. Die Farben dagegen sind voll und kräftig. Eine harmonische Symbiose. Dabei verwendet sie die Technik der „abstrahierten Acryl-Malerei“. Das heißt, dass es nie zu gegenständlich wird. Segmente, wie beispielsweise ein Gesicht oder ein Bein, können schon fast dreidimensional zu erkennen sein, aber dann kann der ganze Körper mit dem Hintergrund verschmelzen. „Ein Bild entsteht meistens wie eine Geschichte. Am Anfang steht die Idee und dann taste ich mich vorsichtig weiter vor“, sagt die Künstlerin. Und so beginnt jedes Werk mit einer Skizze, einer Zeichnung. An der Leinwand dann, beschreitet sie einen eher ungewöhnlichen Weg, denn sie arbeitet von außen nach innen. „So kann ich das eigentliche Thema für mich selbst ab besten herausarbeiten“. Die Acryl-Farben kommen ihr dabei ideal entgegen, denn relativ trocken aufgetragen, lassen sie es zu, in kurzen Abständen viele Schichten übereinander zu bringen. So hat ein Werk Liebes immer zwischen 15 und 20 verschiedene Schichten und kann sich nach und nach entwickeln. Wie es sich entwickelt hängt natürlich von der Tagesform ab. „Es dauert schon eine Zeit, bis ich sagen kann, dass ein Bild wirklich fertig ist. Wenn ich nicht zufrieden bin, bringe ich einfach eine neue Schicht auf, die wieder neue Akzente setzt“. Aber auch Stimmungslagen lassen sich bei Jutta Liebe gut erkennen, wenn man sich mit ihren Werken beschäftigt. Wenn sie sehr gerade und klar voneinander abgrenzende Flächen und Formen malt – also nicht abstrahiert -, hat sie eine eher melancholische Lebensphase, was die Bilder nicht weniger interessant macht. Von jenen gibt es aber nicht viele und so darf sich der Betrachter vor allem an runden, ausladenden Formen und Motiven erfreuen, die man am liebsten anfassen möchte. Die Farben Rot, Grün und alle Ockerfarben finden sich bei ihr immer wieder. Obwohl sie auch schon mal mit dem kühleren Blau experimentiert. Apropos Experiment. Gerade befasst sie sich mit Akten von Schwangeren, „denn schwangere Frauen strahlen in meinen Augen eine große Erotik aus“, erläutert Liebe ihr neuestes Projekt. Und unter völlig anderen Gesichtspunkten beschäftigt sie sich momentan auch mit Babyköpfen. Nicht im Sinne eines Porträts, sondern als das Einfangen der Zartheit, des Urvertrauens. Und daneben ist auch immer wieder ganz Gegenständliches, wie der Flusskrebs oder ein Stillleben mit Zwiebeln, zu finden. Diese Motive werden meist in den verschiedenen Kursen angeregt, die Liebe regelmäßig besucht. So nutzt sie beispielsweise Angebote der Königsteiner Kunstwerkstatt und hat hier in den Malerinnen Ingrid Jureit und Ewa Stefanski ihre wichtigsten Mentorinnen gefunden. Auch lässt sie es sich nicht nehmen, eins bis zwei Mal im Jahr einen Wochenkurs der Akademie für Bildende Künste in der Vulkaneifel zu besuchen, dort gibt Ingrid Jureit hochgelobte Kurse. Ein weiteres „Lieblingskind“ ist ihre Liebe zur Typografie, ihr Auge für Schrift und Schriftbildern, was sicherlich ihrem eigentlichen Beruf als selbstständige Grafik-Designerin geschuldet ist. Die Visualisierung sämtlicher Geschäftsvorgänge – von der Gestaltung des Briefpapiers über die Entwicklung eines Logos bis hin zum Internetauftritt – ist ihr Metier, indem sie sehr erfolgreich agiert. Jüngstes Projekt: Die Gestaltung der Bürgerbroschüre 2006 für Bad Soden. Darüber hinaus hat sich Jutta Liebe auch für den Königsteiner Frauenkongress engagiert. In Zusammenarbeit mit der Initiatorin Heidi Ehniss, hat sie die entsprechende Informationsbroschüre gestaltet und sich sowohl mit einem eigenen Stand in Sachen Grafik-Design als auch mit drei anderen Künstlerinnen zusammen in der der Galerie präsentiert. Bei der geplanten zweiten Auflage des Frauenkongresses ist Jutta Liebe sicher auch wieder mit von der Partie. Eine gute Gelegenheit, ihre Werke direkt zu erleben. Nähere Informationen über Jutta Liebe im Internet: www.grafik-design-jl.de Tina Tonsen
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Veröffentlichung in der Taunus Edition
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