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Das ganz normale Leben schreibt doch die besten Stories.
Einige davon könnt ihr hier lesen.

Der Kult um Weihnachten & Co.
Elternabend
Elternstammtisch






Zeichnung von Rivka Simmel

Der Kult um Weihnachten & Co.

Wünsche & Erwartungen, die heile Fernseh-Welt und ihre Folgen

Der 24. Dezember: In früheren Zeiten ein Datum der Besinnung, des ruhigen In-sich-Einkehrens, des Zusammenfindens der Familie. War das eigentlich jemals wirklich so? Heute ist dieser Tag jedenfalls vielerorts der Höhepunkt allgemeiner Hektik. Wünsche sollen erfüllt und der anspruchsvolle Appetit gestillt werden. Ein vernünftiges Augenmaß ist in diesen Zeiten mehr denn je gefragt, um nicht dem allgemeinen Konsumrausch zu erliegen, den sich gerade heute und immer noch, immer weniger Menschen leisten können.
Bereits Anfang Oktober geht das Theater schon los. Schokoladen-Nikoläuse und Weihnachtsplätzchen "lachen" uns in den Geschäften frech an. Und das zu einem Zeitpunkt, wo wir uns gerade mal vom Sommer richtig verabschiedet haben. Wer kauft da eigentlich schon einen Nikolaus? Ein paar Wochen danach sind schon die ersten Adventskalender zu erstehen. Nicht nur, daß es dafür natürlich auch noch viel zu früh ist. Nein, hier schlägt bereits schon der Größenwahn zu. Welcher Kalender darf es denn sein? Vielleicht einer von Playmobil oder Lego (Kostenpunkt: Um zwischen 15 und 20 Euro)? Oder lieber einer von BabyBorn (20 Euro), oder doch lieber die preiswerte Variante mit den Überraschungseiern (nur knapp 16 Euro)?

Was - nur Schokolade? Mega out!

Der gute alte Adventskalender mit Schokoladenfigürchen hinter jeder Tür ist ja mega out. So sagen es uns jedenfalls unsere Kinder, die die super teuren Teile in der Werbung sehen und natürlich an Kasse im Supermarkt. Fast schon mit einem schlechten Gewissen sucht manche Mutter nach einer Alternative, vielleicht so im Fünf-Euro-Bereich, um einerseits den Kindern halt ein bißchen mehr zu gönnen, andererseits aber nicht schon bei der Anschaffung eines simplen Adventskalenders (oder gar mehrerer) ein Loch in die Haushaltskasse zu reißen.Seit Jahren beobachte ich an mir, dass ich schon mal gar nicht erst in Weihnachtsstimmung komme. November und Dezember sind - weihnachtsbedingt - die umsatzstärksten Monate für viele Branchen, auch in meinem Job. Klar, ich lebe davon und bin natürlich „im Großen und Ganzen“ dankbar dafür, auch davon abhängig. Aber wenn ich in diesen Zeiten nach Hause komme, will ich einfach gar nichts mehr sehen, nur noch Ruhe haben.
Aber da sind die Kinder, die von sich aus, aber auch durchaus werbungsbedingt ab Anfang November langsam zunehmend in Weihnachtslaune gebracht werden. Und man erinnert sich an die eigene Kindheit. Alles rund um Weihnachten war einfach nur schön und aufregend und anheimelnd. Eine ganz besondere Zeit, nur positiv besetzt. Das will man natürlich auch den eigenen Kindern vermitteln. Und deshalb lässt man auch diese unzähligen und teilweise unsäglichen Weihnachtsfeiern über sich ergehen. Sei es (früher) im Kindergarten oder (jetzt) in den Schulen, sei es von den verschiedenen Vereinen. Alle Veranstalter geben sich große Mühe, das ist klar. Aber ich kann sie einfach nicht mehr ertragen.
Die Mamis haben Plätzchen gebacken („Oh, dieses Rezept musst du mir aber unbedingt verraten“), die Papis - damit sie teilnehmen können, beginnen diese Feiern oftmals um 17 Uhr - hetzten sich vom schlechten Gewissen getrieben ab, weil sie sich übers Jahr viel zu wenig um ihre Kinder kümmern (und deshalb jetzt für diesen Termin „Druck“ von ihren Gattinnen bekommen), um dann zwischen Kaffee trinkenden Müttern auf viel zu kleinen Stühlen zu sitzen, die sie vorher noch nie gesehen haben (die Mütter). Höchstens auf der letzten Weihnachtsfeier. Ach, aber jetzt wollen wir alle mal so recht fröhlich sein und wir wollen besinnlich werden, weil wir haben doch bald Weihnachten.
Ich kann es nicht mehr ertragen! Und mache es doch jedes Jahr mit (allerdings mit abnehmender Tendenz).
Genauso wie diese unsäglichen Basare. Da muss man irgendein Zeugs basteln („Ach, heute wollen wir aber mal einen recht schönen Bastel-Abend genießen“), das die Kinder an den Basaren verkaufen und das ICH dann auch noch kaufen muss, weil es ist ja vom eigenen Kind gebastelt. Nein, nein, nein!
Heile Welt auf allen Kanälen

Die Werbung treibt es in diesen Tagen - und alle Jahre wieder - aber noch wilder. Heile Welt ist angesagt. Ob es nun um Kaffee oder Kekse geht: In diesen Werbefernseh-Familien ist am Heiligen Abend alles so harmonisch, alle sind so nett und freundlich zueinander. Die Kinder sitzen brav und wohl frisiert am festlich gedeckten Tisch, und weder auf ihren blütenweißen Kragen noch auf der edlen Damasttischdecke ist der Hauch eines Fleckens zu sehen.
Die Werbefernseh-Mutter sitzt wie aus dem Ei gepellt entspannt am Tisch und schaut lächelnd zu, wie der gutgelaunte Werbefernseh-Vater eine riesige gebratene Gans tranchiert. Oma und Opa dieser Familie schauen gütig drein, froh, diese friedliche Szenerie noch miterleben zu dürfen.
Und wieder: nein. So ist die Realität nicht! Warum lassen wir uns derart verar…..? An welche niedrigen Instinkte appellieren eigentlich diese Werbemacher? Natürlich wissen wir doch alle, dass gerade an solchen Tagen die gute Stimmung nicht selten ins Gegenteil kippen kann. Denn oft sind sowohl die Erwartungen anderer als auch die Ansprüche an sich selbst zu hoch, vielfach unerreichbar. Dann ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Da hat man sich vorher so viele Gedanken gemacht, welches Geschenk für wen passt, hat wieder mal viel zu viel Geld ausgegeben und alles auch noch liebevoll verpackt. Diese Werke werden dann irgendwann (zumindest von den Kindern) hastig zerrissen, kaum draufgeschaut, um gleich das nächste zu zerpflücken. Ältere Beschenkte fragen dezent an, ob man vielleicht den Kassenbon noch hat und der Schenkende weiß, was das zu bedeuten hat („Das kann man doch bestimmt umtauschen, oder?“ - ein Standard-Satz meiner Oma!).

Dann kommt das große Festmahl. Wenn sich viele Familienmitglieder angesagt haben, dann hat man vorher eine Schlacht im Supermarkt geschlagen und anschließend in der Küche. Kaum ist es dann zu glauben, dass sich die ganze Arbeit und Mühe in null Komma nichts aufgelöst hat. Immerhin kann man sich ja noch an den Geschirrbergen auf dem Tisch schadlos halten.
Diese Weihnachtstage können geradezu gefährlich werden. Die Großen haben meist frei, die Kinder Ferien, irgendwie liegt eine gewisse Aufregung im Haus. Man will es ganz besonders schön machen und haben, ständig muss für Essen gesorgt werden und irgendwann geht sich die Familie, die ununterbrochen zusammen hockt, auf die Nerven. Und dann schauen wir zwischendurch wieder mal TV und da sitzt eine fröhliche, gut gelaunte und völlig entspannte Familie in liebevoller Eintracht und wir denken uns „Ach ja? Sowas gibt es wirklich?“ Glaube ich nicht. Nicht mehr.

Auch neue Traditionen können alt werden

So muss es nicht sein. Warum kann eigentlich nicht jeder aus der Familie seinen Beitrag - zumindest beim Essen - leisten? Der eine bringt die Vorspeise mit, der andere das Dessert? Weil es so nicht der guten alten Tradition entspricht, denn das war schon immer so und soll auch so bleiben? Wenn eine Tradition alt ist, muß sie noch lange nicht gut sein. Jedenfalls nicht für jeden. Und es spricht überhaupt nichts dagegen, neue Traditionen einzuführen. Die sind dann auch irgendwann alt - und vielleicht besser.
Und auch über die Geschenkeflut kann man durchaus mal nachdenken. Nicht umsonst praktizieren viele das so genannte Wichtel-System. Klar freut sich jeder über Präsente, aber das vierte, fünfte und sechste muss einfach nicht sein. Außerdem gibt es auch Geschenke (zumindest für Erwachsene!), die nichts, oder fast nichts kosten. Ein (besonderer) Abend zu zweit zum Beispiel, den man schon sehr lange nicht mehr hatte. Oder einen Familien-Spiele-Nachmittag, oder die Lieblingstorte, einen Tag Urlaub nur für die/den Partner/Kinder, die selbst aufgenommene CD mit den Lieblingstiteln des Anderen und so weiter.

Aber danach geht es ja weiter.
Denn wenn die eine Superlative bewältigt ist, müssen wir uns sogleich auf die nächste vorbereiten. Denn gut eine Woche später steht Silvester an. Da muss man doch einfach etwas Besonderes machen, oder? Man kommt sich direkt blöd vor, wenn man nicht mindestens auf eine Party eingeladen ist oder selbst eine gibt. Wenigstens sollte man in ein schickes Restaurant gehen oder ins Theater und dann in ein Restaurant oder auf einen Ball, oder, oder… Wieder haben wir mit Erwartungshaltungen zu tun. Mit der eigenen und/oder mit denen der anderen.
Ich kann mich noch gut an das Silvester der Jahrtausendwende erinnern. Wer da nicht mindestens in einem Schweizer Chalet oder in einem New Yorker Hochhaus oder auf einer Insel im indischen Ozean feierte, konnte einfach nur bedauert werden.
Und stellt euch vor: trotzdem ist es am nächsten Tag hell und abends wieder dunkel geworden. Egal, wer was wo gemacht oder eben nicht gemacht hat. Kaum zu glauben, eigentlich, nicht wahr!

Die Gnade des Älterwerdens

Älterwerden hat ja auch seine Vorteile. Ich finde ja: überwiegend Vorteile. Man wird einfach unabhängiger. Gelassener. Zumindest in einigen Bereichen. Vielleicht werde ich ja (gedanklich gesehen) noch unabhängiger und gelassener, je älter ich werde. Zurzeit bin ich auf dem Stand, dass ich Weihnachtsgeschenke für die Kinder nur noch in Zeitungspapier verpacke (ich male dafür nette Dekos drauf, als kleinen Ausgleich), weil ich dann nicht mehr die Dollarzeichen in den Augen habe, wenn sie das (teure Geschenk-)Papier schnell, schnell zerreißen. Es gibt ein schönes, aber ganz normales Abendessen am 24., was mich weder große Nerven beim Einkauf noch beim Zubereiten kostet. Und wenn mein Liebster und ich an Silvester mal einfach nichts (ja, ihr lest richtig: nichts!) machen wollen, dann machen wir einfach nichts.
Jetzt muss ich mir nur noch etwas für die unsäglichen Weihnachtsfeiern überlegen… (ton)

Elternabend




Wer bislang geglaubt hat, das wirklich schmerzvolle Leid der Elternschaft beschränkt sich auf die Geburt der Nachkommen (wir Frauen nicken wissend), der irrt. Wer so denkt, hat noch keinen Elternabend erlebt.
Folgende Szenerie: Das zweite Kind im zweiten Grundschuljahr. Der Elternabend steht an. Da es das zweite Kind ist, fragt man sich, der wievielte Elternabend (die der Kindergärten für beide Kinder eingerechnet) das nun ist. Aber egal. Da muss man durch. Und das zweite hat ja nun mal das gleiche Anrecht auf Engagement, wie das erste.
Obwohl. Beim ersten Kind war man ja noch im Kindergarten-Elternbeirat, um, … ja ...was eigentlich war es noch, das man unbedingt erreichen wollte? Beim ersten Kind besuchten wir auch noch einen Krabbelkreis, in dessen Verlauf wir uns nicht selten der Frage der normalen Entwicklung unseres Babys stellen lassen mussten: „Was? Dein Kleiner kann noch nicht von selbst die Tischdecke runter ziehen? Also, meiner kann das ja schon seit zwei Wochen und er ist doch drei Tage jünger als Deiner. Du solltest wirklich mal zum Kinderarzt gehen. Man kann so was heutzutage frühzeitig behandeln.“
Oje. Damals, beim ersten Kind, hat man sich ob dieser Informationen noch echte Sorgen gemacht und war völlig verunsichert. Aber dann haben wir irgendwann gemerkt, dass dies völlig unbegründet war. Weil, derjenige, der damals schon zwei Wochen früher die Tischdecke runterziehen konnte, hat heute immer noch Schwierigkeiten mit der Aussprache der Zischlaute. Es wird bestimmt nichts mit dem Wort „Tisch(decke)“ zu tun haben. Aber: man weiß es ja nicht. Vielleicht bekam er durch sein frühes Tun eine gewisse Hemmnis, dies dann in Worten auszudrücken.
Und dann bekamen wir ein zweites Kind und waren natürlich erfahrener und somit cooler. Also, ich meine: richtig cool. So leicht konnte uns keiner mehr was von runtergezogenen Tischdecken erzählen, ohne dass wir uns insgeheim sagten „du wirst noch darum betteln, dass keiner mehr deine Tischdecken runterzieht“.
Um jetzt nicht zu sehr abzuschweifen kommen wir mal wieder zurück zum Elternabend des zweiten Kindes. Dies impliziert natürlich, dass wir durch viele Elternabende des ersten Kindes gegangen sind. Wir haben also schon mehrfach ein Sommerfest mit diesen lustigen Spielen geplant und organisiert. Wir haben Kuchen gebacken und Stände auf- und abgebaut. Wir haben auch vielfach Weihnachtsfeiern organisiert und Basare begleitet.
Wir haben aber vor allem diese unsäglichen Elternabende durchlebt, auf Mini-Stühlchen, für Mini-Pöchen. Nach spätestens 15 Minuten gestanden selbst die sportlichten von uns ein, dass diese Mini-Pöchenstühle nicht dafür gedacht sind, jetzt noch sehr viel länger über eine Sache zu diskutieren, die sowieso nicht geht.
Aber da wir uns ja beim ersten Kind verausgabt hatten, haben jetzt die Mütter das Sagen, die ihr erstes Kind in der Grundschule wissen. Und die Erstmütter wollen jetzt das Rad neu erfinden. Das verstehen wir, wir waren ja auch mal so.
Jetzt kommt aber der Bericht der Lehrerin. Sie berichtet, in welchen Fächern was durchgenommen wurde und gibt einen kurzen Ausblick auf das kommende Pensum. Wir sitzen da und hören zu. Die Lehrerin gibt vorab bekannt, dass sie jederzeit für Zwischenfragen offen ist. An sich sehr löblich, aber in diesem Fall ein schwerer Fehler. Denn die Eltern von Torben (Name natürlich frei erfunden) werden sich immer wieder zu Wort melden, so dass man nach einer gewissen Zeit eigentlich gehen möchte, damit Torben nun ohne weitere Unterbrechungen in voller Gänze diskutiert werden kann.
Völlig egal, um was es geht, zu Torben fällt Mama und Papa immer wieder etwas Neues und völlig Originelles ein, das sie unbedingt der Elterngemeinschaft (und vor allem der Lehrern) mitteilen wollen. Ob das die Deutsch--Hausaufgaben sind, ob die Mathe-Themen oder der gesamte Umgang in der Klasse: Torben sieht es so oder so oder eben so. Dann wird von der Lehrkraft berichtet, dass demnächst Sexualkunde ansteht. „Was meint Torben dazu?“ wollten wir gerade fragen, aber wir konnten uns noch zurückhalten. Denn eigentlich haben wir auch hier mit dem torbenelterlichen Statement gerechnet. Dann hätten wir allerdings zu schreien begonnen.
Wer also gerade ein Kind unter Schmerzen geboren hat, sollte zur Kenntnis nehmen, dass es damit noch lange nicht getan ist. Es folgen irgendwann die unerbittlichen Elternabende, es wird also noch schlimmer. Da muss man durch. (ton; Text aus 2003)

Elternstammtisch

Ich war gestern auf dem so genannten Elternstammtisch der Klasse meiner Tochter. Sie geht in die zweite Klasse und ist sieben. Da ich noch einen älteren Sohn habe, kenne ich dieses ganze Geschmonze schon und war dementsprechend skeptisch, weil es nicht nur ein „unbeschwertes Zusammentreffen“ sein sollte, sondern weil es noch zudem um das „heilige“ Sommerfest der Grundschule gehen sollte und um den Beitrag, den „unsere“ Klasse dazu leisten sollte. Alle Erwartungen wurden noch nie so übertroffen.

Zunächst mal waren nur Mütter da, kein einziger Erzeuger, aber das kenne ich ja schon. Als ich den Vater meiner Kinder zu meiner Ehezeit EINMAL überreden konnte, mitzugehen, und er sich diesen ganzen unsäglichen Quatsch mit anhören musste, stand fest, dass dies für ihn das erste und letzte Mal war.
Aber zurück. Ich fürchtete ja schon das Schlimmste, aber ich wollte bezüglich der Lehrerin und der anderen Eltern (ich meine natürlich Mütter) keinen schlechten Eindruck machen („Deine Mama war ja gar nicht da!“, was dann eventuell später mein armes Kind zu hören bekommt).

Die Elternbeirätin („Ich bin ja Mutter aus Überzeugung und stehe dazu. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht.“) hatte die Aufgabe ihres Lebens gefunden und stellte die verschiedenen Möglichkeiten der Beteiligung an diesem lebensentscheidenden Sommerfest vor, nicht ohne fortwährend aus einem schier unergründlich großen Korb die zuvor in mühevoller und aufwändiger Handarbeit selbst gebastelten Beispiele der Mitwirkung hervor zu holen.
Alle tranken Wasser oder Tee (das Treffen war abends in einem Restaurant). Fast kopfschüttelnd, aber zumindest mit einem missbilligenden Blick untereinander wurde meine - die einzige -Weinbestellung quittiert.

Es war einfach unsäglich. 20 Frauen sagten alle gleichzeitig etwas und jede, ich schwöre jede, musste ständig erwähnen, wie ihr eigenes Kind dieses und jenes sähe (und wie süß, begabt, verständnisvoll und sozial es doch in dieser und jener Situation gewesen ist).
Loriot hätte seine wahre Freude an dieser Szenerie gehabt.

Ab und zu versuchte ich dann auf den Punkt zu kommen (was unsere Kinder nun auf diesem vermaledeiten Sommerfest machen sollten), aber es stellte sich als aussichtslos heraus. Schließlich wurde irgendwann ein Plan entworfen, der freudig und geflissentlich von der hauptberuflichen Elternbeirätin schriftlich festgehalten wurde. „Das kann nicht gut gehen, völlig unmöglich“, warf ich zaghaft ein, wurde aber von 19 Augenpaaren verächtlich abgestraft, so dass ich dann nichts mehr sagte und verschämt einen Schluck Wein trank.

Nach zwei Wochen kam dann ein sehr engagiertes Rundschreiben von der sehr engagierten Hauptamtlichen, indem sie uns leider mitteilen musste, dass die angedachten super-kreativen Vorschläge nach Rücksprache mit der Schule leider nicht durchführbar seien und wir uns nun erneut zwecks konstruktiven Gedankenaustauschs treffen müssten.
Da konnte ich dann leider irgendwie gar nicht.

Jetzt hatten wir kürzlich wieder einen Elternabend in der Schule, bei dem es unter anderem um den Beitrag der Klasse für einen vorweihnachtlichen Basar ging. Die Hauptamtliche hatte wieder „ihre Stunde“ und natürlich fehlte auch der berühmte Korb nicht mit den bereits vorgefertigten Bastelbeispielen. Diesmal fand ich den Vorschlag sehr gut. Um den Tagesordnungspunkt „Diskussion“ zu umgehen, machte ich wieder einmal einen Versuch und sagte: „Sehr gut, das sollten wir dann so machen“. Sofortige Abstimmung und beschlossen. Na also. Geht doch. (ton; 2003)