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Jo Hewel , Königstein, ist ein Freund von mir. Wir haben uns nie lange getroffen, nie nächtelang diskutiert, nie uns ausführlich über dieses und jenes unterhalten. Aber er ist ein Freund, das war schon kurz nach unserer ersten Begegnung vor ein paar Jahren klar. Jo ist ein ehemaliger Anarchist, ein ehemaliger Kneipier, ehemaliger Kommunalpolitiker und - wie ich jüngst auf seinem Blog lesen konnte - bald auch ein ehemaliger Raucher. Er schreibt wunderbare Texte, mal analytisch-politisch, mal romantisch-poetisch, immer eingängig, immer authentisch und immer bleibt das Gefühl, dass man gerne mehr von ihm lesen möchte.
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Als ich C. das erste Mal sah, war mir im gleichen Moment bewusst, dass die Begegnung mit ihr eine besondere Bedeutung für mich haben würde. Sie war so unvermittelt in den Raum und damit in mein Leben getreten, dass ich sie verwirrt begrüßte - wie eine alte Bekannte, die ich lange nicht gesehen hatte - und die mir nun plötzlich gegenüber stand: ohne Ankündigung, und ohne mir Zeit zu lassen, die wichtigen Fragen zu formulieren, die ich nun hätte stellen müssen.
Sie war einfach da, aufgetaucht aus dem Nichts eines kühlen Abends, stand an der Bar und bestellte ein Glas Wein. Ich hatte sie zunächst nur kurz wahrgenommen, mein flüchtiger Blick sie lediglich gestreift, aber meine Augen wandten sich unwillkürlich zurück, bevor sie aus meinem Gesichtsfeld verschwand, und ich schaute sie an und dachte mit klopfendem Herzen: „Wie schön, dass du endlich da bist!“
Ich weiß nicht, wie dieser Abend weiter ging. Irgendwann kamen wir ins Gespräch, aber ich habe nicht mehr die geringste Erinnerung an das Worüber. Alles, was sich zu einem Bild fügt, sind ein heller Kamelhaarmantel und ein farbiger Seidenschal, der in fast arrangiert wirkenden Falten um ihren Hals lag und unter dem Revers verschwand. Die Proportionen ihres Körpers hätte ich einem größeren Menschen zugeordnet und irgendwie erschien mir alles an ihr sehr zierlich, ohne jedoch übertrieben filigran zu wirken: ihr feines Gesicht, ihr Mund, ihre Nase, ihre ganze Erscheinung. Ich hatte dies alles größer in meiner Erinnerung, die aber tatsächlich ja gar keine war, sondern nur eine Phantasie, oder der Entwurf eines Bildes, das erst in jenem Moment das Stadium des Virtuellen verließ, als sie den Raum betrat.
Ich war völlig verunsichert, weil ihre Anwesenheit einen solchen Zwiespalt der Gefühle in mir auslöste. Einerseits spürte ich, dass ein Platz in meinem Herzen, den ich so lange frei gehalten hatte, künftig wieder besetzt sein würde – aber sofort war da auch die Angst, sie einmal mehr zu verlieren, wie ich sie schon so oft verloren hatte, wie sie, vielhundertfach, an der Schwelle vom Schlaf zum Erwachen, fortgeschlichen war aus der Welt meiner Träume. Nun stand sie vor mir und schien aus Fleisch und Blut. Sie konnte nicht real sein, aber sie hatte, andererseits, die Sphäre einer Vision offenkundig verlassen, und ich wusste vom ersten Tage an nicht, ob sich meine Phantasie ihrer bediente, oder ob sie die Vorgabe meiner Phantasie lediglich in einer Weise erfüllte, wie es nur möglich ist, wenn man sich schon eine Ewigkeit kennt. Sie kam aus einer parallelen Welt, war an diesem Abend (warum auch immer) in unseren Hof abgebogen und stand mir nun gegenüber und lachte, wobei ihre Augen die leicht geschwungenen Sicheln zweier Halbmonde bildeten, die auf den Spitzen tanzten und kaum Platz boten für einen Blick nach außen oder innen. Seine Wärme und sein Strahlen trafen das Innerste meiner Sehnsucht.
Ich wünschte, dass dieser Abend kein Ende habe; ich schaute in dieses fremde, vertraute Gesicht und versuchte krampfhaft, meine Blicke beiläufig wirken zu lassen. Als sie ging, fühlte ich mich leer, ja fast ein wenig verzweifelt. Ich hatte Angst, dass es bei dieser einen Begegnung bleiben würde, dass ich sie nie wieder sehen würde, und dass ich alleine sein würde mit diesen vielen kleinen Wunden, die sie in mir aufgerissen hatte an jenem Abend. Sie hatte etwas in mir berührt, das viel zu tief saß, als dass ich es in diesem Moment hätte ahnen oder gar benennen können. Alles hätte ich gegeben, dass sie mich aufforderte, sie zu begleiten, diese Nacht mit ihr zu verbringen, diese eine Nacht, in der ich die Sehnsucht von tausend Nächten ihrem Körper und ihrer Seele hätte mitteilen wollen.
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