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Diese Woche bekam ich Post vom Amtsgericht. Mein Scheidungstermin. Es ist schon merkwürdig. Obwohl mein Mann und ich schon fast zwei Jahre getrennt sind, obwohl wir uns in den vergangenen Jahren schon öfter getrennt hatten, obwohl ich ihn verlassen habe, obwohl wir keine Ehe, sondern einen fortwährenden Kriegschauplatz hatten und obwohl ich jetzt seit über einem Jahr so glücklich wie noch nie in meinem Leben mit einem anderen Mann zusammen lebe, kann ich dieses Datum nicht einfach gleichgültig registrieren. 13 Jahre meines Lebens, aus denen zwei Kinder hervorgegangen sind (das einzig Gute, das wir geschafft haben) finden dann ihren offiziellen Abschluss. Ich hatte den Traum von einer glücklichen Familie. Ich bin selbst ein Scheidungskind und hatte daher wohl den verstärkten Wunsch nach Vater, Mutter, Kind, alles in Ordnung. Heile Welt. Alle Familienmitglieder haben denselben Namen (das hat mich als Kind immer sehr gestört, dass dies bei uns anders war) alle sind glücklich, wir bauen uns was auf. Ich hab es nicht geschafft. Wir haben es nicht geschafft. Immer wieder, über viele Jahre haben wir fast alles versucht. Aber – wir waren nicht die Richtigen füreinander. Lange wollten wir das nicht wahrhaben. Lange haben wir uns bekämpft und bekriegt, die Nerven verloren und uns dann wieder vertragen, weil es ja doch irgendwie gehen muss. Aber es ging nicht. Es ging eigentlich nie. Jetzt haben wir unseren Frieden. Endlich. Wir haben beide neue Partner, die (zumindest für mich gesprochen) zu uns passen, mit denen wir uns verstehen und mit denen wir glücklich sind. Mein Mann und ich haben uns eigentlich nie gegenseitig verstanden. Keiner hat eigentlich Schuld am Scheitern dieser Beziehung, die Stoff für mehrere Drehbücher hergeben würde. Und jetzt haben wir dieses Datum, an dem alles besiegelt werden wird. Es ist gut und richtig so. Und dennoch empfinde ich es fast wie eine Beerdigung, weil ich so viele Hoffnungen und Wünsche zu Grabe trage. Auch, wenn ich jetzt ein erfülltes und geradezu leichtes Leben lebe, nehme ich nicht leichten Herzens Abschied. Aber das ist vielleicht auch gut so.( ton; Januar 2004)
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