STENKELFELD
Stenkelfeld

Stenkelfeld ist eine kleine Stadt in Norddeutschland, die Mitte der 90er von Harald Wehmeier und Detlev Gröning "gegründet" wurde. Die beiden arbeiteten zu dieser Zeit bei NDR2 und ersannen dort das kleine Städtchen, dass seit dem für jede Menge Satire, feinsinnige Kritik und netten Humor sorgt.
1995 kam die erste CD auf dem Markt, mittlerweile ist die Anzahl auf zehn gewachsen, die bis oben hin mit tollen Geschichten, informativen Reportagen, einfühlsamen Kunstkritiken und erschütternden Berichterstattungen gefüllt sind. Ich kann die CDs nur wärmstens empfehlen. Sie sollten im gut sortierten Fachhandel und bei diversen Versandhäusern ohne Probleme zu finden sein.


Amoklauf im Förzke-Baumarkt

Reporter:
Vor circa 20 Minuten hat hier im Förzke-Baumarkt am Schmöllerdamm ein offenbar geistig verwirrter Kunde das Personal mit einer Axt bedroht und Teile der Ladeneinrichtung verwüstet. Im Moment sind hier die Aufräumungsarbeiten im Gange. Neben mir Marktleiter Hermann Förzke, Herr Förzke, wie hat sich das abgespielt?
Förzke:
Ja, der kam hier an dem Blech- und Eisentresen an und fragt mich nach einem Reduzierstück 149 auf 125 für'n Ofenrohr.
Reporter:
Oha.
Förzke:
Ich sag erst mal gar nix und warte ab, ob er da selber drauf kommt, was für'n Quatsch er da machen will, und da kriegt er schon diesen fahrigen Blick.
Reporter:
Und hat anschließend Ihre Geschäft demoliert?
Förzke:
Ne, er rückt denn erst mal damit raus, dass er sich einen teuren Kaminofen aus dem Versandhaus bestellt hat und den jetzt nicht anschließen kann, nich, weil dat Loch in der Wand zu kein ist oder dat Rohr zu dick oder wat weis ich.
Reporter:
Tja.
Förzke:
Und ich frag ihn noch ganz höflich: Na, denn wollen Sie jetzt den Rauchabzug verengen, was? Ja, denn man zu und viel Spaß mit'm Schornsteinfeger und da wollte er denn schon auf mich los.
Reporter:
Ja, aber wo war denn nun der ganz konkrete Anlass für den Amoklauf Ihres Kunden?
Förzke:
Ja, das ist mir völlig rätselhaft. Ich hab dem sogar noch den Tipp gegeben, er soll da beigehen und zwei verzinkte Drehkrümmer durchschweißen, mit'm U-Profil anflanschen und den könnte er ja einfach mit som halbzölligen Überwurf die Führung bündig vonner Abdeckmanschette löten, nich, aber nicht dass er dann morgen bei mir angejammert kommt, weil er mit der ganzen aufgestemmten Durchführung innen Kaminquerschnitt gekommen ist und ihm der Schamottmörtel auf'n Teppich bröckelt, nej.
Reporter:
Ja, genau, man kann also sagen ein ganz normales Beratungsgespräch, wie es in Baumärkten Gang und Gebe ist.
Förzke:
Ja, genau! Ich hab ihn sogar noch darauf hingewiesen - was ich gar nicht müsste - dass die Rußklappe dann hinter dem Krümmer falsch abkantet ...
Reporter:
Oh ja, ja.
Förzke:
... es sei denn, er nimmt statt dessen ne 40-ger Niro-Schelle in V2A und setzt die Passstifte vor den Lüftungsschnalze in eine Parallelnut, aber dafür bracht man natürlich 'nen 18er Gussdeckel, und der wird nicht mehr hergestellt. Und da hat er denn zur Axt gegriffen.
Reporter:
Und damit konnte natürlich niemand rechnen.
Förzke:
Und ich versuch den Mann noch zu beruhigen und sag ihm: Jetzt schmeiß den ganzen Vogel doch lieben auf'n Schrott, das lohnt doch alles nicht, und denn ging das Theater los, nej. Dat sehen Sie hier ja, dat war ein Verrückter.
Reporter:
Mysteriöser Amoklauf im Förzke-Baumarkt und damit zurück ins Funkhaus

Aus der „Stenkelfeld - Die Letzte“.

Weihnachten im Oktober

Auch diese Geschichte stammt im Original aus der Stenkelfeld-Feder. Ich habe sie nur ein wenig auf Königstein "zugeschnitten".

Montag, 7. Oktober:
Schönster Altweibersommer. Noch einmal Menschen in T-Shirts und Sandalen in den Königsteiner Straßencafés und Restaurants mit Außenbewirtung. Bisher keine besonderen Vorkommnisse in der Hauptstraße.

Dann plötzlich um 10.47 Uhr kommt der Befehl von Aldi-Geschäftsführer Erich B.: „5 Paletten Lebkuchen und Spekulatius in den Eingangsbereich!"
Von nun an überschlagen sich die Ereignisse.

Zunächst reagiert Tengelmann-Geschäftsführer Martin O. eher halbherzig mit einem erweiterten Kerzensortiment und Marzipankartoffeln an der Kasse.

15.07 Uhr: HL-Marktleiter Wilhelm T. hat die Mittagspause genutzt und operiert mit Lametta und Tannengrün in der Wurstauslage.

16.02 Uhr: Bürobefarf Lindlau und die Millenniums-Buchhandlung bekommen Kenntnis von der Offensive, können aber aufgrund von Lieferschwierigkeiten nicht gegenhalten und fordern ein Weihnachtsstillstands-Abkommen bis zum 10. Oktober. Der HGK wird eingeschaltet. Die Gespräche bleiben ohne Ergebnis.

Dienstag, 8. Oktober:
07:30 Uhr: Im Eingangsbereich von Rossmann bezieht überraschend ein Esel mit Rentierschlitten Stellung, während 2 Weihnachtsmänner vom studentischen Nikolausdienst vorbeihastende Schulkinder zu ihren Weihnachtswünschen verhören. Zeitgleich erstrahlt die Fassade im gleißenden Schein von 260.000 Elektrokerzen.

Die geschockte Konkurrenz kann zunächst nur ohnmächtig zuschauen. Immerhin haben jetzt auch Schlecker und Ihr Platz den Ernst der Lage erkannt.

Mittwoch, 9. Oktober:
09.00 Uhr: Tengelmann setzt Krippenfiguren ins Gemüse.

09.12 Uhr: HL kontert mit massivem Einsatz von Rauschgoldengeln im Tiefkühlregal.

10.05 Uhr: Im Geschäft „Decorana“ verirren sich dutzende Kunde in einem Wald von Weihnachtsbäumen.

11.00 Uhr: Neue Dienstanweisung bei der Rheingau-Metzgerei: Mit sofortiger Wirkung wird ein „Frohes Fest“ gewünscht.
Die Metzgerei Balle kündigt für den Nachmittag Vergeltungsmaßnahmen an.

Donnerstag, 10. Oktober:
07.00 Uhr: Classic Design schaufelt Kunstschnee ins Schaufenster.

08.00 Uhr: In einer eilig einberufenen Krisenversammlung fordert der aufgebrachte Tengelmann-Geschäftsführer von seinen Mitarbeitern lautstark: „Weihnachten bis zum Äußersten“ und verfügt den pausenlosen Einsatz der von der Konkurrenz gefürchteten CD: „Weihnachten mit Mirrelle Matthieu“ über Deckenlautsprecher.

Der Nachmittag bleibt ansonsten ruhig.

Freitag, 11. Oktober:
08.00 Uhr: Anwohner der Wiesbadener Straße versuchen mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung die nun von HL angedrohte Musikoffensive „Heiligabend mit den Flippers“ zu stoppen.

09.14 Uhr: Ein Aldi-Sattelschlepper mit Pfeffernüssen rammt den Posaunenchor „Adveniat", der gerade in der Fußgängerzone zum großen Weihnachtsoratorium ansetzen wollte.

09.30 Uhr: Aldi dementiert. Es habe sich bei der Ladung nicht um Pfeffernüsse, sondern Christbaumkugeln gehandelt.

Samstag, 12. Oktober:
Die Fronten verhärten sich; die Strategien werden zunehmend aggressiver.

10.37 Uhr: Auf dem Königsteiner Polizeirevier meldet sich die Diabetikerin Anna K. und gibt zu Protokoll, sie sei soeben auf dem Parkplatz Stadtmitte zum Verzehr von Glühwein und Christstollen gezwungen worden. Die Beamten sind ratlos.

12.00 Uhr: Seit gut einer halben Stunde setzen Lindlau, Classic Design und Millennium in der Fußgängerzone Schneekanonen ein. Das Ordnungsamt mahnt die Räum- und Streupflicht an. Vergebens!

14.30 Uhr: Teile der Königsteiner Innenstadt sind unpassierbar. Eine Hubschrauberstaffel des Bundesgrenzschutzes beginnt mit der Bergung von Eingeschlossenen.

Derweil genießen die nicht betroffenen Königsteiner die letzten warmen Sonnenstrahlen…


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