STAU OHNE ABSATZ
Stau ohne Ansatz

Hab da auch noch etwas zum Thema Königsteiner Megastau beizutragen, fällt aber eher in die Kategorie "peinlich - bis schon wieder witzig".

Meine Tochter wurde am Dienstag im Taunusgymnasium "eingeschult". Um 9.45 Uhr sollten die Feierlichkeiten beginnen. Wir fuhren also um 9.15 aus der Siedlung los, weil ich mich noch erinnern konnte, dass, als mein Sohn vor vier Jahren dort in die 5. Klasse aufgenommen wurde, eklatante Parkplatznöte herrschten, ich damals wild parken musste (weil gleichzeitig die Tochter ihren ersten Schultag in der Grundschule hatte, alles fast zeitgleich, und ich hin und her fahren musste) und es eine polizeiliche Durchsage gab, die mein Nummernschild zum Inhalt hatte … Das sollte mir an diesem Tag nicht wieder passieren und so fuhr ich frühzeitig los (eine halbe Stunde von der Siedlung bis zum Taunusgymnasium sollte ja wohl reichen...). Denkste.

Um halb zehn (also nach 15 Minuten) bogen wir um die Kurve aus dem Seilerbahnweg in die Wiesbadener Straße ein. Mein armes Kind wurde immer nervöser. "Kein Problem, wir haben ja Zeit, das schaffen wir", versuchte ich zu beruhigen. In diesem Moment sah ich andere Eltern mit ihren Kindern zu Fuß an uns vorbei hetzen. Meine Tochter sah sie natürlich auch. Da wir sie kannten und wussten, woher sie kamen, wussten wir auch, dass sie offenbar aus purer Zeitnot, weil in der Wiesbadener Straße einfach nichts mehr ging, ihr Auto dort irgendwo abgestellt hatten, um den Rest zur Taunusschule zu laufen. Inzwischen war es 9.35 Uhr und wir waren ca. einen Meter vorangekommen.
Wieder hetzten uns bekannte Eltern mit ihren Kindern an uns vorbei. "Da gehst Du jetzt mit", entschied ich spontan, damit wenigstens das Kind zu seiner Einschulungsfeier einigermaßen pünktlich kommt. Gegen 9.40 Uhr konnte ich endlich parken - vor dem ehemaligen Geschäft "Zauberschuh" in der Wiesbadener Straße. Noch fünf Minuten, alles bergauf, mit meiner nicht im Ansatz vorhandenen Kondition. No Way. Egal. Neuer Ranzen der Tochter und die Kamera umgeschnallt - und dann los.

Ich gehe eins, zwei Schritte über die Straße, zwischen den im Stau wartenden Autos (zu denen ich bis vor wenigen Minuten auch noch zählte), als ich mit meinem rechten Absatz ständig irgendwie einsinke. Komisch, denke ich noch, das ist doch harter Asphalt. Merkwürdig, dass ich da einsinke. Und ich wundere mich auch noch, dass eine Autofahrerin in einem blauen Polo mit heruntergekurbeltem Fenster lauthals zu lachen beginnt. Dann merke ich es auch, begreife es aber nicht gleich. Der Absatz meines rechten Stiefels ist abgebrochen. Sowas hab ich ja noch nie erlebt - und dann ausgerechnet jetzt. Ich schaue auf meinen Schuh, begreife es immer noch nicht: aber dann zwinge ich mich zu konstatieren: kann es sein, dass gerade der Absatz abgebrochen ist? Ich schaue auf die Straße: ja, da liegt er auch. Hebe ihn auf (wohl in der verrückten Vorstellung, ihn irgendwie und ganz schnell wieder anbringen zu können), merke aber dann, dass das so nicht funktionieren wird und stecke ihn dann, vermeintlich unauffällig, in meine Tasche. In der Hoffnung, dass der gesamte Vorgang niemanden aufgefallen ist. Eine komplette Fehleinschätzung.

Denn derweil feixt die Frau im blauen Polo. "Ich lach mich tot, aber das ist mir kürzlich auch passiert". Ach ja? Will ich das wissen? Die ganze Sache blieb mindestens zehn weiteren Autos bzw. deren Insassen auch nicht verborgen, denn sie standen ja alle still und hatten nichts besseres zu tun. Und alle lachten. Ich hätte auch gelacht. Und habe dann auch gelacht Und sah zu, dass ich (zu diesem Zeitpunkt noch) ungeschickt humpelnd, die Szenerie möglichst unauffällig verlasse …

Ich überlegte, aber nur ganz kurz. Mit dem Auto komme ich nicht weiter, deswegen musste ich es ja hier abstellen. Umziehen (neue Schuhe) ist also zeitlich nicht drin. Denn ich war ja ohnehin schon zu spät. Also nun die Berge hoch ohne einen rechten Absatz. Muss halt die Umwelt dann irgendwie mit mir klarkommen, *trotz*. Im Laufe des Weges fand ich sogar eine Gangart heraus, bei der das Fehlen des rechten Absatzes gar nicht mehr so doll auffiel (hähä, blauer Polo…).

Zur Schulfeier kam ich dann nur wenige Minuten zu spät (ich muss eine sensationelle Zeit hingelegt haben…), aber da war ich nicht die einzige, die Festivitäten hatten glücklicherweise noch nicht begonnen. Alle anderen Zuspätkommenden hatten aber noch alle ihre Absätze, das hab ich genau gecheckt.
Tina Tonsen




Dinner For One